Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA: Feedack zu der Serie

Feedack zu der Serie 30 Dez 2018 13:32 #46455

  • rhm
  • rhms Avatar Autor
  • Offline
  • Fresh Boarder
  • Fresh Boarder
  • Beiträge: 11
  • Dank erhalten: 4
Lieber Herr Gassner, Herr Lesch, Herr Müller

Erst einmal möchte ich Ihnen meinen Dank aussprechen für eine sehr gelungene und nützliche Serie für wissenschaftliche Laien wie mich.
Ich profitiere davon sehr.

Bevor ich auf das zu sprechen, was mir ein wenig Unbehagen bereitet möchte ich keinen Zweifel daran lassen wie positiv ich die Serie finde.

ZU meinem Background: Ich habe Mathematik und Physik bis zum Vordiplom studiert, allerdings reine Mathematik und hatte nichts mit partiellen Differentialgleichungen am Hut. Ich habe nie wissenschaftlich gearbeitet.
Trotzdem würde ich mir etwas mehr Mathematik wünschen oder Hinweise, wo man sich den entsprechenden Background aneignen kann. Ich verstehe gut, daß sich ein tieferes mathematisches Verständnis schlecht im Video herleiten läßt. Andererseits scheint mir dieser Background unerläßlich für ein tieferes Verständnis.
3 Minuten Schleudersymbol bringt zu wenig.

Jetzt zu meinem Unbehagen:
An vielen Stellen im Buch als auch in manchen Videos bleibt unklar, was eigentlich an der modernen Kosmologie Hypothese und was gesicherte Erkenntnis ist.
Der Sinn von Naturwissenschaft ist aber gerade dies zu unterscheiden.
Als Beispiel nenne ich mal das letzte Video von Herrn Müller "10 Irrtümer zur Urknalltheorie". Dort wird zum Beispiel die Verteilung von "dunkler Materie" und "dunkler Energie" heute und früher im Kosmos so dargestellt, als ob daran kein vernünftiger Zweifel mehr möglich sein kann.
Ich frage mich wie groß die Halbwertszeit dieser angeblichen kosmologischen Erkenntnisse ist.
Mir erscheint das problematisch, solange keine gesicherten Nachweise für diese Dinge existieren, Bullet Cluster hin oder her.

Aus der Geschichte wissen wir, daß sich der Mainstream oft genug geirrt hat, auch in der Physik.

Mir ist klar daß "gesicherte Erkenntnis" ein schillernder Begriff ist.
Schließlich gibt es Menschen die die Evolutionstheorie oder die Tatsache daß die Erde eine Kugel ist anzweifeln.
Irgendwo muß man natürlich die Grenze ziehen.

Trotzdem, Ich würde mir eine deutlichere Differenzierung wünschen zwischen Hypothese bzw. nicht gesicherten Annahmen und was daraus folgen würde und dessen was wir gesichert wissen.

Mir ist da die Einstellung eines Max Plank sehr sympathisch. Er hatte meines Wissens jahrelang Unbehagen mit seinem Vorgehen und seine Erkenntnis eher als Arbeitshypothese betrachtet.

Rainer Herrmann

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Feedack zu der Serie 06 Jan 2019 20:29 #46744

Lieber Rainer Herrmann,
es gibt keine Beweise in der Naturwissenschaft - in der ersten Folge von Aristoteles zur Stringtheorie bin ich darauf eingegangen - gewissermaßen als Warnung für die gesamte Reihe. Empirische Wissenschaften können nicht beweisen, deshalb gibt es immer nur Hypothesen, die solange Lehrmeinung bleiben, solange sie nicht falsifiziert werden konnten. Die Mathematik kann Aussagen als wahr beweisen - die Physik leider nicht...

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Feedack zu der Serie 06 Jan 2019 23:26 #46747

Hallo Rainer Herrmann,

aus meiner Sicht sei mir dazu noch eine ergänzende Bemerkung zu Josefs Beitrag erlaubt.
Grundsätzlich hat er natürlich recht, aber zum Sprachgebrauch in den Naturwissenschaften möchte ich noch folgendes anfügen:

Ein Gedankengebäude, das die Welt zu beschreiben versucht, ist eine Hypothese.
Wird die Hypothese durch Experimente widerlegt, ist sie ein Fall für den Papierkorb. Wird sie jedoch bestätigt im Experiment und das mehrfach und auf verschiedene Weise, dann wird daraus eine Theorie mit Anwärterschaft auf das Aufgenommenwerden in die Lehrbücher.
Eine Theorie hat aber immer noch keinen Anspruch auf endgültige Wahrheit.
Eine Theorie ist die im Augenblick bestmögliche Erkenntnisstufe, auf der wir, abgesichert durchs Experiment, stehen.
Deshalb ist z.B die Stringtheorie Strenggenommen keine Theorie, da sie keine überprüfbaren Aussagen macht. Sie ist lediglich eine Hypothese.
Deshalb wäre für die Stringtheoretiker eigentlich der Begriff Stringhypothetiker der richtigere.

Die absolute Wahrheit zu kennen, ist insofern ein vermessener Anspruch.

Und was gesichertes Wissen genau ist, könnte man auf unserer Seite trefflich diskutieren. Nur zu.!

Thomas

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Feedack zu der Serie 07 Jan 2019 15:18 #46771

  • rhm
  • rhms Avatar Autor
  • Offline
  • Fresh Boarder
  • Fresh Boarder
  • Beiträge: 11
  • Dank erhalten: 4
Mir ist natürlich klar, daß es so etwas wie mathematische Beweise in der Naturwissenschaft nicht gibt und alles Wissen im Prinzip vorläufigen Charakter hat.
Das habe ich mit "gesichertem Wissen" (im Unterschied zur Hypothese) auch nicht gemeint.

Ich habe auch die erste Folge dieser Serie aufmerksam verfolgt.
Erlauben Sie mir ein paar Anmerkungen gerade zu dieser Folge:

Das mit der Popperschen Falsifikation ist so eine Sache.
Beispiel: Es bedarf nur eines andersfarbigen Schwan um die These zu widerlegen "alle Schwäne wären weiß"

Wir hätten gerne, daß Naturwissenschaft so funktioniert, tut sie aber nicht, vor allem weil sie von Menschen gemacht wird.
Und wir haben unsere in Jahrzehnten mühsam erarbeiteten Vorstellungen und Vorurteile, von denen wir uns nicht so einfach trennen können.

Wenn eine wissenschaftliche Theorie erst einmal anerkannt ist und ihre Mächtigkeit unter Beweis gestellt hat, werden wir sie nicht einfach über den Haufen werfen, bloß weil eine Beobachtung oder der Ausgang eines (wiederholbaren) Experimentes im Widerspruch zu dieser Theorie steht.
Wenn wir unsere Theorien bei jedem Meßergebnis, das nicht paßt aber wiederholbar ist, über den Haufen werfen würden, ständen wir auch buchstäblich mit leeren Händen da.

Dafür gibt es nahezu unzählige Beispiele aus der Wissenschaftshistorie, an dem man das gut veranschaulichen kann, auch ohne Einfluß einer Kirche.
Ich nenne mal nur die Perihelbewegung des Merkur als Beispiel. (es gibt viel mehr)
Dies war lange bekannt vor Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie.
Hat die Gemeinschaft der Physiker vor Einstein deswegen Newtons Theorie der Gravitation als falsifiziert betrachtet, nach dem Motto, eine einzige Falsifikation reicht?

Der Fortschritt kommt, wenn wir eine neue Theorie bekommen, die das bisherige erklären kann und darüber hinaus Vorhersagen machen kann, die wir überprüfen können und die im Lichte der alten Theorie, die sie ersetzt, ganz und gar unplausibel sind.

So kommt der Fortschritt in die Wissenschaft und oft genug gewinnt eine neue Theorie nur an Anhänger mit einer neuen Generation von Wissenschaftler.
Man sehe sich nur an, wie stark die Relativitätstheorie Einsteins ursprünglich auch von seinen teils sehr renommierten Kollegen (auch Nobelpreisträger darunter) angefeindet wurde. Es ist nicht so, daß alle sofort begeistert waren von Einsteins Theorien, selbst dann nicht als die ersten Nachweise bekannt wurden.
Die Evolutionstheorie ist auch ein gutes Beispiel.

Wenn wir auf Widersprüche ("Falsifikationen") stoßen, werfen wir nicht die Theorie über den Haufen, sondern wir suchen nach ad hoc Erklärungen wie wir beide in Einklang bringen können, auch wenn das Ganze dann "knirscht" und sehr spekulativ klingt.
Die Kosmologie scheint dafür besonders anfällig, Beobachtungsergebnisse zu liefern, die nicht immer in unser Weltbild passen wollen.
Ein berühmtes Beispiel ist ja auch Einstein mit seiner Konstanten um ein statisches Universum zu garantieren.
Eine "Eselei" war das erst, als sich die Hinweise verdichteten, daß sich das Universum ausdehnt.

Es wäre irgendwie naiv zu glauben wir würden uns da anders verhalten als frühere Generationen.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Feedack zu der Serie 07 Jan 2019 19:52 #46789

  • sebp
  • sebps Avatar
  • Offline
  • Expert Boarder
  • Expert Boarder
  • Beiträge: 366
  • Dank erhalten: 23

Jetzt zu meinem Unbehagen:

Das sehe ich ähnlich.
Ich habe den Eindruck, daß manche Physiker wirklich glauben, daß Energie den Raum krümmt.

Streng genommen machen wir immer noch klassische Physik.
Weder ist die spezielle Relativität bestätigt, noch die Nichtlokalität der Quantenphysik.
Oder solche Sachen wie Zusatzdimensionen, Wurmlöcher und dergleichen.
Das sind alles mathematische Phantasien.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Feedack zu der Serie 08 Jan 2019 01:12 #46797

Sepb,

wir glauben zu wissen, dass Energie den Raum krümmt.
wir glauben zu wissen, dass die SRT richtig ist.
wir glauben zu wissen, dass die QM und damit verbunden die Nichtlokalität richtig ist.

Wir glauben, wenig zu wissen über Zusatzdimensionen oder Wurmlöcher oder Vergleichbares.

Die Grenze, was man wissen kann und was man glauben muss ist fließend.

Daher ja der Satz: wir irren uns empor.

Und daher auch die Anregung, mal über gesichertes Wissen nachzudenken.
Was bedeutet tatsächlich gesichertes Wissen? Was wissen wir, mit welcher Sicherheit wissen wir, wie gesichert ist dieses Wissen, welche Fehlerbalken sind damit verbunden?
Woher kommt dieses Zutrauen, überhaupt etwas als gesichertes Wissen zu bezeichnen?

Ein guter Einstieg in dieses Diskusionsfeld wäre das Studium der Videoreihe AzS von Josef, hier auf unserer Seite.

Thomas

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1
AUF Zug
Powered by Kunena Forum