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THEMA: Postfaktisches Zeitalter

Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 17:28 #9658

Ich greife die Anregung von Thomas auf: "Diskutiert doch über den Begriff des Postfaktischen. Ist gerade ein viel verwendenter Begriff. Wo kommt er her und was steckt dahinter."
Gestern habe ich einen Artikel dazu gelesen: www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/postf...ahres-a-1121598.html .

Zu Beginn zitiere ich die Definition aus diesem Artikel: "Oxford Dictionaries definieren den Begriff als Beschreibung von Umständen, in denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung haben als Bezüge zu Gefühlen und persönlichem Glauben."

In diesem Thread sollten wir über dieses Thema diskutieren: Was sind die Ursachen? Wie äußert es sich? Was sind die Konsequezen? Wie kann man wieder zum Faktischen zurückkehren?

Wir sollten hier aber nicht über aktuelle Politik diskutieren, d.h. beispielweise nicht darüber, ob Trump ein guter oder schlechter Präsident wird, und nicht darüber, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollten.

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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 19:07 #9660

ClausS schrieb:

. . . in denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung haben als Bezüge zu Gefühlen und persönlichem Glauben

Die drei großen Weltreligionen sind auf einem einzigen objektiven Faktum aufgebaut, nämlich dass man nicht beweisen kann, dass es Gott nicht gibt. Es gibt kein einziges weiteres objektives Faktum. Alles Weitere ist postfaktisch. Der KKK besteht aus ungefähr 1000 Seiten. 1000 Seiten postfaktisch. Die christlichen Kirchen werden in Deutschland pro Jahr mit ungefähr 7 Milliarden Euro direkt und indirekt gefördert. 7 Milliarden Euro Förderung für den Postfaktischmus. Die Frage ist eher, warum das Postfaktische wieder zunimmt. Die Antwort ergibt sich von selbst: Der Einfluss der Religionen nimmt wieder zu. Es ist immer dasselbe Spiel. Seit tausenden von Jahren. Ohne die Gottesfrage auf allen Ebenen auf den Tisch zu bringen, wird sich daran nichts ändern.

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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 19:59 #9662

Da nach Göbbel "die Massen weit mehr Gefühl als Verstand haben" , ist die postfaktische Ansprache an die Massen, der Versuch Mehrheiten bei denen zu finden, die wenig wissen und können aber zunehmend das politische und kulturelle Klima in der Gesellschaft bestimmen. Ausweg: Wiedereinführung des Dreiklassenwahlrechts, sonst wiederholt sich so was wie die Naziherrschaft.
Denobio

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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 20:25 #9664

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Hallo, es gibt meiner Meinung nach da Zwei Sachen die eine ist das man den Menschen ja sagt, schalt dein Kopf ein, denke selbe nach. Jedoch da kommt sogar flache Erde bei raus. Das andere ist die schwer verdaulichen Medienbericht Erstattung, zwar ist es nicht gelogen, jedoch Politisch durchnässt, verdammt es Lässt sich nun in der tat schlecht bei der Thematik vermeiden. Jedoch ist es ersichtlich der Mensch selbst versucht sich in dem Chaos zurecht zu finden. So wie es scheint ist es aus meiner Sicht mit einer Katastrophe verbunden. Aber nun zum Rest, ich finde in der Hinsicht sollte über Globalismus nachgedacht werden und zwar aus allen Richtungen, damit man sich anderen Problemen widmen kann. Also so gesehen wird es kein ende haben, nein wenn die Bevölkerung wächst wird es noch verwirrter, vor allem da die Privatsphäre stark durchbrochen wird und die Komplexität von vielen einfach unterschätzt wird, was so machbar ist. Es ist auf keinem fall zu unterschätzen nicht das da nur noch ferngesteuerte herum rennen, und Werbung, Nachrichten ist der Schlüssel dazu, egal über welche quelle.

Ja ich kann alles, sogar definieren was ich nicht kann.

Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 21:55 #9674

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Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Mit diesem fulminanten Auftakt beginnt Immanuel Kant seinen Aufsatz "Was ist Aufklärung". Die Frage ist nun, wie es dazu kommen konnte, dass diesem hohen Anspruch oft nicht mehr Genüge getan wird. Wie kann der "Wutbürger" Mehrheiten organisieren? Warum siegt das Gefühl über das Argument? Warum erscheint das Sich-Bedienen-des-eigenen-Verstandes zu anstrengend? Liegt es an der Komplexität der modernen Welt? Liegt es an den "gekauften", spezielle Interessen bedienenden Experten? Liegt es an der Informationsflut in den neuen Medien, die unverdaute und unverdaubare Informationen ausschütten und den Konsumenten bei der Interpretation im Regen stehen lassen?
Eine Rückkehr zur Sachlichkeit würde vor allem eine Bereitschaft zu kritischer Reflexion voraussetzen. In einer Situation allgemeiner Verunsicherung hat kritische Reflexion aber etwas Bedrohliches.

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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 22:10 #9676

Ich hatte schon die Idee, dass man bei einer Wahl ja von irgendeiner unabhängigen Wahlkommission jeweils 5 Fragen zu dem Wahlprogramm einer Partei beantworten muss. Wenn jemand weniger als die Hälfte der Fragen richtig beantwortet wird seine Stimme automatisch ungültig. Die Bürger sind in der Demokratie verantwortlich, selbst politisch mündig zu werden.

Ich sehe aber leichte Manipulationsmöglichkeit bei einem solche Wahlrecht.

@Denobio: Inhaltlich hast du Recht, die Wiedereinführung eines Dreiklassenwahlrechts führt aber direkt und ohne Umwege vorbei an der NS-Zeit ins Mittelalter, und das ist auch keine tolle Alternative.

"Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen"
- Berthold Brecht, Der Gute Mensch von Sezuan

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Postfaktisches Zeitalter 17 Nov 2016 23:08 #9684

Hallo stm,
Eigentlich ist deiner Argumentation kaum noch etwas hinzuzufügen.
Ich möchte lediglich ergänzen:
Ich möchte auf den Unterschied zwischen Zuwachs an Wissen und Zuwachs an Information hinweisen.
Zuwachs an Wissen bedeutet, dass man sich um faktische Zusammenhänge kümmern muss. Das ist Zeit - und energieaufwendig. Man muss sich diesen Zuwachs im wahrsten Sinne erarbeiten. Am Ende erntet man aber reichhaltigen Lohn durch Freude am Zuwachs an Erkenntnis.
Im zweiten Fall, Zuwachs an Information, führt das dass dazu, dass man die heute zur Verfügung stehenden Informationsquellen konsumiert, Nachrichten aller Art, ganz allgemein Informationsquellen aller Art. Von denen gibt es heute eine nicht zu beziffernde Anzahl.
Wir haben leider nicht gelernt, gewissenhaft mit der angebotenen Vielfalt umzugehen, mit der Folge, dass wir einfach nur konsumieren. Am nächsten Tag ist das meiste schon wieder vergessen.
Unser Gehirn reagiert jetzt immer mehr mit Abwehr. Es reagiert ökonomisch und will sich vor dieser Reizüberflutung schützen. Das ist nur allzu verständlich.
Diese Reaktion hat aber zur Folge, dass wir uns weder mit Wissenszuwachs noch mit Information im vorgenannten Zusammenhang beschäftigen wollen.
Fakten zählen nicht mehr. Unser Bauch sagt, schütze dich vor diesem Informationsstress.
Wir trudeln also durch überbordende Informationsreizüberflutung in eine instinktive Schutzhaltung. Und die führt zwangsläufig auch in eine postfaktische Haltung. Nach dem Motto: lass mich in Ruhe, ich will einfach nur meine Ruhe haben. Ich will weder Wissenszuwachs noch Informationszuwachs, einfach nur Ruhe.
Ursachen: ich meine Reizüberflutung im täglichen Alltag, im Verkehr, im Beruf, im privaten Gebrauch des Internets, der irrwitzigen Kommunikationswut in den sozialen Netzen ... fällt euch noch etwas ergänzendes ein?
Dafür sind wir nicht gebaut!
Wir sind viel eher an eine kleine Dorfgemeinschaft mit nicht mehr als 300 Mitgliedern angepasst.
Wenn diese Argumentationskette stimmt, ist die postfaktische, geistig -psycholgische , Kollektive Zeiterscheinung eine Schutzreaktion unserer Gehirne.
Grüße
Thomas

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 08:57 #9685

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Denobio schrieb: Ausweg: Wiedereinführung des Dreiklassenwahlrechts.

Das ist in meinen Augen kein Ausweg, sondern das endgültige Scheitern. Wenn Thomas Recht hat - und ich glaube, dass er da Recht hat - dass die postfaktische Zeiterscheinung eine Schutzreaktion unserer Gehirne ist, dann stellt sich doch zuerst die Frage nach der Qualität unserer Bildungseinrichtungen. Das Abrichten für einen Beruf ist noch keine Bildung, die schnelle Reaktion auf neue Informationen beweist noch kein Verständnis. Freilich ist es unökonomisch, wertvolle Schulzeit für dieses humanistische Gedöns zu vergeuden.

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 09:38 #9686

Hallo stm,
Dreiklassenwahlrecht war eine Provokation. Ich wollte einen großen Nagel einschlagen.
Aber im Ernst, vor 30 Jahren gab es einen Jesuitenpater , ich glaube Leu hat er geheißen , der coachte Führungskräfte, der hat den Wert der Demokratie allen Ernstes bezweifelt.
Die Wirkung der Reizüberflutung hat viel für sich. Aber sie erklärt nicht, warum plötzlich Leute zur Wahl gehen, die es früher nicht taten. Die fühlen sich plötzlich von einfachen Lösungen angezogen. Sie mögen die Komplexität der Wirklichkeit nicht. Aber Verunsicherung wegen Komplexität und Reizüberflutung sind einander verwandt.

Ich bin gespannt, wie das Experiment "Trump" ausgeht.
Beste Grüße Denobio

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 17:14 #9697

Ich sehe die Ursachen zumindest zu einem guten Teil anders.

Für mich liegt dies daran, dass entscheidende Themen so komplex und die dazugehörende Informationslage so verworren ist, dass man gar keine Chance hat, sich ein wirklich umfassendes objektives Bild zu machen. In der Berichterstattung werden Fakten, Meinungen und Emotionen vermischt - und dies von Befürwortern wie Gegnern gleichermaßen.

Es gibt eine Reihe von Themen, bei denen ich mich derzeit nicht im Stand sehe, mir eben das umfassende objektive Bild zu machen, das für eine fundierte Beurteilung nötig wäre. Dazu gehören etwa die Flüchtlingspolitik, die Auswirkungen der Globalisierung und der Klimawandel.


Zudem liegt derzeit ein starker Fokus auf "Political Correctness", so dass bestimmte Themen oder Debatten tabuisiert sind und damit nicht geführt werden / geführt werden können. Aus meiner Sicht ist es gefährlich, Personen mit bestimmten Ansichten als "dumm" oder als "menschenfeindlich" zu bezeichnen, was in der öffentlichen Debatte (gerade in den Medien) derzeit häufiger passiert. Dies führt dann dazu, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Personen unterbleibt. Die Auswirkungen davon sind in der Wahlkabine spürbar.


Unsere Zeiten sind von einem deutlich stärkeren Wandel betroffen als frühere Zeiten, beispielsweise durch die Globalisierung, die Digitalisierung, die Automatisierung (Roboter), die Flüchtlingsströme und einiges mehr. Dies führt zu einer gewissen Grundangst - und Abstiegsängste sind derzeit durchaus nicht unbegründet. Das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger hat (zumindest in meinen Augen) in den letzten Jahren/Jahrzehnten abgenommen. Dies hat zwei Konsequenzen. Die Leute vertrauen der Handlungsweise und den Erklärungen der Entscheidungsträger weniger und sind deutlich anfälliger für Emotionen.

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 19:01 #9700

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Das sind ja keine guten Aussichten!
Gibt es Kräfte, Gruppen von Menschen, Politiker, Wissenschafter usw. die das auch so erkannt haben und daraus ihre Schlüsse gezogen haben und auch dementsprechend agieren?
Oder ist es gar Ziel von Gruppen von Menschen diesen Prozess noch zu forcieren?
Welche Möglichkeiten bleiben uns selber?
Sicher ein immer kritischerer Blick auf alles zu nehmen. Den Konsum von Medien jeder Art sehr selektiv zu betreiben. (Hier im Forum ist es wunderbar!)
Welchen Einfluss können wir noch auf diese Prozesse nehmen?

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 21:20 #9710

Hallo ClausS,
Wenn man jetzt die Reizüberflutung unserer Gehirne und deine Zunahme an Ängsten mit einem Proportionalzeichen verbindet, sind wir in der Darstellung und Begründung postfaktischer Verhaltensmuster nicht mehr weit auseinander. Ein Unterschied findet sich nur noch in der Färbung der Darstellung. Sag mir, wenn du es anders siehst.
Grüße
Thomas

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Postfaktisches Zeitalter 18 Nov 2016 23:55 #9714

ClausS schrieb:

Das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger hat (zumindest in meinen Augen) in den letzten Jahren/Jahrzehnten abgenommen.

Wie kann man denn vertrauen haben in politische Entscheidungsträger, die man nicht kennt? :(
Dieser Film ist seit 4 Jahren auf youtube. Die logische Anschlussfrage an Horst Seehofer, wer den dann diejenigen sind, die nicht gewählt sind aber entscheiden, wurde ihm bist heute nicht gestellt. Es ist mir unerklärlich, warum sich nicht tausende Journalisten auf diese Frage verbeißen ???


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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 13:59 #9722

Hallo Thomas,

ich denke ebenfalls nicht, dass wir inhaltlich weit auseinander sind. Wir beleuchten meiner Meinung nach ähnliche Teilaspekte eines komplexen Problems.

Ich versuche mal, mein Verständnis der wesentlichen Aspekte kurz zusammenzufassen:
- Viele wesentliche Themen sind inhaltlich extrem komplex und ineinander verwoben (Wirtschafts- und Sozialpolitik, Umweltschutz, technologischer Fortschritt, auftretende Katastrophen, Flüchtlingsströme, Sicherheit, ...).
- Zu diesen Themen werden wir durch viele Medien permanent mit Meinungen und Informationen bombardiert.
- Das Gehirn sieht sich diesbezüglich nicht mehr in der Lage, sich aufgrund von Fakten ein umfassendes objektives Bild zu machen.
- Meiner Meinung nach ist es auch für einen Interessierten nicht mehr möglich, sich wirklich so ein umfassendes objektives Bild zu machen. Dies wird noch verschlimmert durch Tabuisierung bestimmter Themen und Meinungen ("Political Correctness").
- Aufgrund dessen reagiert das Gehirn mit Abwehr. Da es aber in der menschlichen Natur liegt, sich eine Meinung zu bilden, nutzt das Gehirn statt dessen Emotionen und "Pseudo-Fakten" - und filtert sich selektiv aus der Informationsflut das heraus, das seine Meinung stützt.
- Verstärkt wird dies durch Ängste, die durch die extremen Veränderungen der letzten Zeit ausgelöst werden. Das Schlimme dabei ist, dass es für diese Ängste durchaus reale Hintergründe gibt.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 16:54 #9726

Des Kaisers neue Kleider
Die Wirklichkeit ist selbst für einen kleinen Jungen einfach und banal. Nur wenn man gezwungen ist, sich innerhalb der Lüge zu Recht zu finden, dann erscheint alles als ein komplexes Problem.

Wie man dieser Lüge, die systematisch über die ganze Welt gestülpt wurde, um die Wirklichkeit zu verschleiern, wie man ihr entkommt, ist jedoch wirklich ein komplexes Problem. Da gibt es wahrscheinlich keine einfache Lösung. Wer in der Radikalisierung eine einfache Lösung sieht, hilft nur mit, die nächste Lüge aufzubauen.

Des Kaisers neue Kleidung, allgegenwärtig, nur der kleine Junge fehlt überall. Ein kleiner Junge der sagt, Moment mal, die Vertreter Gottes auf Erden vertreten ja gar keinen Gott und die Volksvertreter vertreten ja gar nicht ihr Volk.

Zu den Volksvertretern habe ich noch folgenden Film gefunden. Der Film hat keine parteipolitische Bedeutung. Man könnte so einen Film mit fast allen Politikern aller Parteien über sehr viele Themen drehen.


.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 17:31 #9731

Und da hilft es, einfach neue Volksvertreter zu waehlen? Weil die das Volk dann vertreten...
Oder gleich ab in die Aristokratie...

Zu Politiksatire: Handle with care.
Wenn man Politik nur ueber Satire konsumiert, kann man sehr schnell einen falschen Eindruck bekommen. Der Auftrag des Satiriker ist es, etwas ins Laecherliche zu ziehen. Egal, ob das dann richtiger ist oder nicht.

Nirusu

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- Berthold Brecht, Der Gute Mensch von Sezuan

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 17:41 #9733

Für die Politiker im Film war das überhaupt nicht Satire. Die haben das ganz ernst gemeint. Im Gegenteil, die haben nicht einmal bemerkt, dass sie von einem Satiriker gefragt worden sind. Aber natürlich spielt sich so etwas nur in der "höheren" Politik ab. Es gibt ja wesentlich mehr Lokalpolitiker, und die sind selbstverständlich über die jeweilige Sachlage sehr gut informiert. So gesehen ist dieser Film natürlich kein Maßstab für die gesamte Politik.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 20:15 #9744

Hier ein Querverweis:
Heute findet sich in der Süddeutschen ein Artikel zum selben Thema unter der Rubrik Gesellschaft auf Seite 49.
Die Autorin kommt hier zu ganz erschreckenden Schlussfolgerungen. Auf das Postfaktische folgt hier mit zunehmender Wahrscheinlichkeit das Postdemokratische. Die Begründung liegt hier nicht in Reizüberflutung oder Ängsten, sondern eher im Verlust am allgemeinen moralischen Fundament in Verbindung mit der ungestraften Verbreitung von Lüge und bewusst falsch darstellender Zwechpropaganda. Transportmittel ist hier vor allem das Internet und damit verbunden die Ausbreitung von Nachrichten oder hier besser von Mist jeglicher Art mit fast halber Lichtgeschwindigkeit.
Wenn diese Argumentation richtig ist, dann sollte man schnellstens die dort möglichen Auswüchse per Gesetz einschränken. Man hat mit dem www offensichtlich die Büchse der Pandorra geöffnet und die Geister, die man hier rief nicht mehr im Griff mit der Folge der Erosion der Fundamente unserer Gesellschaften.
Der Artikel hat mir zu denken gegeben.
Grüße
Thomas

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 20:33 #9746

Gibt es diesen Artikel auch online?

Unter sueddeutsche.de habe ich ihn nicht gesehen.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 21:01 #9748

Hallo Claus,
Kann ich dir nicht sagen. Hab die Süddeutsche abonniert und such deshalb nie nach ihr im Internet.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 21:04 #9749

Thomas schrieb: Wenn diese Argumentation richtig ist, dann sollte man schnellstens die dort möglichen Auswüchse per Gesetz einschränken. Man hat mit dem www offensichtlich die Büchse der Pandorra geöffnet und die Geister, die man hier rief nicht mehr im Griff mit der Folge der Erosion der Fundamente unserer Gesellschaften.


Ich kenne diesen Artikel nicht im Detail. Das Ziel, die Demokratie zu retten, teile ich uneingeschränkt. Ein Internet-Gesetz befürworte ich aber nicht.

Wie sollte ein Internet-Gesetz aussehen? Man kann ja auch im Ausland in deutscher Sprache schreiben. Sollen dann Internet-Filter eingebaut werden, die "gefährliche" Inhalten zensieren? Dann befinden wir uns auf einer Stufe mit Ländern wie China. Wer sollte entscheiden, welche Inhalte wir sehen dürfen? Wo sollte die Grenze sein?

Demokratie beruht für mich auf Meinungsfreiheit. Die Meinungsfreiheit einzuschränken um die Demokratie zu retten kann daher niemals der richtige Weg sein. Was dann übrig bliebe wäre dann keine Demokratie mehr.

Man muss andere Wege finden, die Demokratie zu retten.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 21:12 #9750

....wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Und da haben wir den Salat! Der Mensch ist egoistisch und faul, wenn er kann und solidarisch und fleissig, wenn er muss.

"`Oh dear,' says God, `I hadn't thought of that,' and promptly vanished in a puff of logic.

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 21:21 #9751

Bitte erst diesen Artikel lesen. Dann kann man Überlegungen anstellen, wie man reagieren sollte. Die Handhabung des Messers ist ja auch geregelt. Schneide ich damit Brot, hat keiner etwas dagegen. Nutze ich es, um einen Menschen ins Jenseits zu befördern, werde ich einen Termin beim Strafrichter bekommen.
Grüße
Thomas

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Postfaktisches Zeitalter 19 Nov 2016 23:11 #9754

Thomas schrieb:

. . sondern eher im Verlust am allgemeinen moralischen Fundament in Verbindung mit der ungestraften Verbreitung von Lüge und bewusst falsch darstellender Zweckpropaganda.

Die ungestraften Lügen und bewusst falsch dargestellte Zweckpropaganda finden nicht auf der Ebene der Bevölkerung statt. Im Gegenteil, die Bevölkerung ist diejenige, die ungestraft belogen wird. Falsch dargestellte Zweckpropaganda ist kein Werkzeug der Bevölkerung, im Gegenteil, die Bevölkerung ist diejenige, die darauf reinfallen soll.

Also, meines Erachtens fördert das Internet nicht den Verlust des allgemeinen moralischen Fundamentes, sondern es bring den moralischen Verfall mit halber Lichtgeschwindigkeit global ans Licht. Die Privatisierung des Trinkwassers in Afrika, Südostasien und Teile Lateinamerikas zu Gunsten westlicher Großkonzerne z.B. sind (neben vielen anderen) der große Verfall des allgemein moralischen Fundamentes und nicht das Zusammenleben ohne Trauschein oder Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen oder sonstige Argumente in dieser Richtung, die man gerne benutzt, wenn man sich auf „moralischen Verfall“ beruft.

Schreibt die Autorin dieses Berichtes auch, was sie unter „Verfall des allgemein moralischen Fundamentes“ versteht?

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Postfaktisches Zeitalter 20 Nov 2016 10:49 #9759

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ClausS schrieb: Dies wird noch verschlimmert durch Tabuisierung bestimmter Themen und Meinungen ("Political Correctness").

Vielleicht sollten wir hier einmal den Begriff der 'Political Correctness' klären. Hierzu ein Zitat aus der Wikepedia:

In der ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der englische Begriff politically correct die Zustimmung zur Idee, dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können (etwa bezogen auf Geschlecht oder Rasse).

Und dieser Respekt vor der Würde des Menschen ist also neuerdings nicht mehr angesagt. Dazu weiter unten im selben Text:

Seit Beginn der 1990er Jahre wurde der Begriff von einer reinen Eigenbeschreibung zunehmend auch zu einem pejorativ gebrauchten Kampfbegriff der politischen Rechten in den USA.[3] Konservative Studenten, Akademiker und Journalisten übernahmen den Ausdruck und wandelten den Begriff in eine Chiffre zur Ablehnung linker Antidiskriminierungsbemühungen, US-Konservative verwenden ihn seit den 1990er Jahren im politischen Kontext in Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff zu Political Correctness substantiviert.

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Postfaktisches Zeitalter 20 Nov 2016 12:20 #9761

Nirusu schrieb:

Wenn man Politik nur ueber Satire konsumiert, kann man sehr schnell einen falschen Eindruck bekommen. Der Auftrag des Satiriker ist es, etwas ins Laecherliche zu ziehen. Egal, ob das dann richtiger ist oder nicht.

Hier habe ich noch "Satire" gefunden. Ich frage mich, ob Satire überhaupt satirischer sein könnte als die Wirklichkeit?

Warum ich das hier poste? Postfaktisches Zeitalter haben wir schon lange, solange es jedoch nicht von der rechten Seite kommt, fällt uns das nicht gar nicht auf.


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Postfaktisches Zeitalter 20 Nov 2016 16:47 #9772

Jetzt habe ich mir die Wochenendausgabe der Süddeutschen besorgt und den Artikel gelesen. Der Artikel ist in der Tat wert, darüber nachzudenken.

Er zeigt ein Problem auf - massive Wahlbeeinflussung durch gelogene Posts bei Facebook und Twitter. Es sieht so aus, dass viele der verbreiteten Lügen im Gedächtnis bleiben, auch wenn sie als Lüge entlarvt wurden.

Wie bei vielen komplexen Themen gibt es denke ich auch hier keine einfachen Lösungen.

Das erste Problem ist für mich die Grenzziehung. Wie kann man "echte" Lügen erkennen (z.B. ein Post einer nicht-existenten Person)? Oder sollen auch "Hetze" oder "Tabubrüche" zensiert werden?

Ein Vorgehen gegen solche "echte Lügen" ist für mich ok. Mein Problem ist die Grenzziehung. Geht man etwa auch gegen Tabubrüche vor, hätte ich damit ein echtes Problem. Eine Demokratie, die den Leuten vorgibt, welche Meinungen ok sind und welche Ideale befolgt werden müssen, ist für mich keine Demokratie mehr sondern eine Meinungsdiktatur. Sollten Facebook und Twitter "nicht gelogene" Meinungen nach unten ranken, weil sie etwa gängigen Vorstellungen und Idealen widersprechen, dann wäre das in meinen Augen ein eklatanter Verstoß gegen die Meinungsfreiheit.

Wie meine ich das? Ich nehme bewusst jetzt das Klimabeispiel (da dies das wohl geringste Potential hat, eine Nebendiskussion auszulösen). Ich schreibe jetzt mal vier Aussagen:
a) Professor Miller hat nachgewiesen, dass die bestehenden Klimamodelle bewußt gefälscht sind. (wobei der Professor Miller nicht existiert)
b) Der Klimawandel ist eine Lüge, da Banken und Versicherungen daran verdienen wollen.
c) Die Hauptursache für den Klimawandel ist die Abholzung der tropischen Regenwälder und nicht unser CO2-Ausstoß.
d) Der Winter hier ist schweinekalt, also kann es mit der Erderwärmung nicht weit her sein.

Eine glatte Lüge ist Aussage a). Die sollte gelöscht werden.
Was ist mit den Aussagen b), c) und d)? Dies sind in meinen Augen Meinungsäußerungen, die nicht zensiert werden sollten (unabhängig davon, was ich davon halte).

Die Frage ist: Wie kann man zuverlässig a) als Lüge und b), c) und d) als Meinungsäußerung erkennen und entsprechend behandeln?

Meine Sorge hierbei ist, dass wir ohne es zu merken in eine Zensur laufen, wie sie in totalitären Staaten gang und gäbe ist. Es gibt nämlich auch die Möglichkeit, dass Regierungen (auch in der westlichen Welt) Lügen verbreiten wollen bzw. Teile der Wahrheit verschweigen wollen (gibt es denke ich genug Beispiele dafür). Wenn Facebook, Twitter & Co. da mitspielen würden, wäre dies für sie deutlich einfacher.

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Postfaktisches Zeitalter 20 Nov 2016 17:09 #9773

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Helfen kann da ein wenig der Blick in die Vergangenheit in die weitere und aber auch in die nähere.
Eine gesunde Skepsis ist immer angebracht. Oder wie man es auch sagen kann: Verlasse Dich nur auf Deine eigenen Erfahrungen.
Ich habe das schon oft im Leben mitbekommen. Die mediale Welt läßt ein Bild in uns erscheinen. Von dem kann man sich manchmal nur schwer trennen.
Das Internet stellt meiner Meinung nach eine große Gefahr dar. Man kann immer das finden, was man sucht, was man erwartet und noch schlimmer.
"Ich habs ja gewußt!" ist oft die Quintessenz.
Meinungsmache ist durch den Rundfunk vor hundert Jahren in die Welt gekommen in großem Maßstab. Zeitungen gab es schon vorher. Aber mit der Möglichkeit quasi mit einem Knopfdruck Millionen von Menschen zu erreichen, war das ein gesellschaftlich- evolutionärer Schritt.
Nun hat sich das mit dem Netz noch um einen Faktor erhöht und hat auch noch eine neue Qualität bekommen.
Von der Möglichkeit, alles mit Programmroutinen abzuhören und auswerten zu lassen und dann jetzt ganz neu gleich mal Robots im Netz einzusetzen, welche genau darauf reagieren und wiederum die Meinung von Menschen zu manipulieren...
Und das in einer Reaktionsgeschwindigkeit, kaum zu begreifen.
Es lebe der mißtrauische Mensch!

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Postfaktisches Zeitalter 20 Nov 2016 20:59 #9775

Erst kommt der Gedanke, dem folgt das Wort und diesem dann die Tat. Wenn dieser Zusammenhang richtig ist, ( nicht bei jedem stimmt diese Reihenfolge), dann kann man sich leicht überlegen, dass man diesen Zusammenhang in allen Staaten kennt. Ist man sich wohlgesonnen, ist er eher von geringer Bedeutung. Steht man sich aber in Konkurrenz oder gar feindlich gegenüber, dann wird man logischerweise versuchen, die Gedanken und Meinungen der Meschen auf der anderen Meinungsseite zu beeinflussen und zu manipulieren. Wodurch? Durch falsche oder manipulative Darstellungen von Ereignissen. Angeblich investiert Russland etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr in diesen Zweck für Falschdarstellungen im www , gesendet in die westliche Welt. Kam heute in einem BR Beitrag. Möglich wird das sehr komfortabel erst durch das www. Wieder einmal erfunden durch Physiker, um sich die Arbeit zu erleichtern und ausgenutzt nicht nur von gut meinenden, sondern auch von Scharlatanen, Verbrechern und politischen Manipulateuren. Wenn die Meinung erfolgreich manipuliert ist, ändern sich die Sprachinhalte und im schlimmsten Fall die Handlungen, so die Hoffnung.
Manche sprechen sogar schon vom Cyberkrieg.
Die Menschen, mit all ihren Stärken und Schwächen spiegeln sich im www und leider nicht mehr nur Kernphysikalische Daten vom CERN.
Deshalb wird entweder ein Regulierungsbedarf notwendig, oder man überlässt das dortige Geschehen dem freien Spiel der Kräfte. Im zweiten Fall hat man es mit den Gesetzen der Evolution zu tun. Bis sich aber hier ein gesundes Gleichgewicht aller beteiligten Interessen eingestellt hat, wird noch viel Zeit vergehen.
Die Frage stellt sich dann, hat man diese Zeit?
Wenn das Postfaktische auch andere Gründe haben mag, als das www selbst, so wird es durch dasselbe zumindest verstärkt und beschleunigt, allein durch die Geschwindigkeit der Datenübermittlung, aber auch durch die hohen Prozessorleistungen und der enorm zugenommenen Speichermöglichkeiten von Daten.
Kaum bietet die Technik den Spielraum, schon wird er bis an die Grenzen ausgenutzt.. moralische oder gar gesetzliche Flankierung Fehlanzeige.
Was kann man da machen? Vorerst nicht viel, lediglich an die Vernunft und die Verantwortung appellieren oder wie hier im Forum geschehen, ein Mindestmaß an Regeln aufstellen.
Grüße
Thomas

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Postfaktisches Zeitalter 21 Nov 2016 16:19 #9786

ClausS schrieb:

Professor Miller sollte gelöscht werden. Er existiert nicht

Thomas schrieb:

ein Mindestmaß an Regeln aufstellen.

Diese beiden Aussagen treffe den Punkt.

1) Das Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet haben nur natürliche Personen
(keine Roboter oder sonstige technologischen Möglichkeiten)
2) An das Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet ist die Deklaration gebunden.

Das würde die Meinungsfreiheit nicht einschränken, man müsste lediglich mit der Meinungsfreiheit verantwortlich umgehen. Und an dem fehlt es im Internet am meisten. Im Strafrecht z.B. sind diese beiden Punkte selbstverständlich. Ohne diese würde das Strafrecht nicht funktionieren. Zeuge eines Strafprozesses kann nur eine natürliche Person sein, die sich deklariert. Das erste, was ein Richter einen Zeugen fragt sind: Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Adresse und noch sonst einiges. Gibt er das nicht bekannt, hat er kein Recht, zu sprechen.

Ohne etwas wäre nicht einmal nichts

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