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THEMA: Harald Lesch - Naturphilosophie (Vorlesung 6)

Harald Lesch - Naturphilosophie (Vorlesung 6) 17 Feb 2016 23:44 #2846

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Schlusswörter aus dem Film:
"Fürchtet euch nicht!"
"Der Glaube an Gott ist ein Programm, dem wir uns nicht verstellen können"

Und warum verstellen sich dem dann alle? Religion ist ein Produkt der Evolution. Die Intelligenz ist ebenfalls ein Produkt der Evolution? Wie so oft löst das sich besser bewährte das weniger bewährte ab. Doch noch nie hat sich das besser bewährte vor dem weniger gut bewährten gefürchtet. Warum plötzlich jetzt? Warum fürchtet sich die Intelligenz vor der Gottesfrage?

Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Welt von Päpsten gekrönten Kaisern regiert. Die Welt war aufgeteilt in Kaiserreiche. Königreiche, Grafschaften, Fürstentümer, Klöster. Stifte, Diözesen und Pfarrgemeinden. Dann hat man Scheindemokratien darüber gestülpt. Politiker, die gewählt sind, aber nichts zu entscheiden haben (Zitat Horst Seehofer) wurden vorgeschoben. Die Fassade hat sich geändert, hinter der Fassade ist alles gleich geblieben. Religion dominiert weiterhin das Weltgeschehen. Aus den Opferstöcken wurden Einarmige Banditen, aus Beichtstühlen Geheimdienste, aus den Hostien und dem Weihwasser die Globuli, aus der Missionierung die Globalisierung usw. Es gibt kaum eine Handlung, die nicht einen verdeckten religiösen Hintergrund hat. Warum hat man Angst vor der Gottesfrage? Vor was hat man eigentlich Angst? Oder schläft man nur? Warum verifiziert die Naturwissenschaft nur und stellt sich nicht der Ratifikation? Wer ist auf diese Idee gekommen, dass die Naturwissenschaft nichts ratifizieren darf? Ausgenommen dem Absoluten in seiner Gesamtheit kann man doch alles Ratifizieren. Auch absolut.

Ich sitze im Kino und schau mir einen Italowestern an. Clint Eastwood erscheint auf der Leinwand. Plötzlich dreht er sich zu mir und richtet seinen Revolver auf mich. Gehe ich jetzt in Deckung? Verstecke ich mich hinter dem Sitz? Nein, ich gehe nicht in Deckung, denn ich bin im Kino. Clint Eastwood ist nur eine Illusion auf der Leinwand, er kann mich nicht erschießen Plötzlich erscheint sein Gegner, Lee Van Cleef auf der Leinwand. Clint Eastwood zieht und erschießt ihn. Na Hallo, Moment mal, jetzt haben wir gerade festgestellt, Clint Eastwood ist nur eine Illusion, der kann niemand erschießen. Richtig, doch Lee Van Cleef ist auch nur eine Illusion. Eine Illusion ist relativ zu einer anderen Illusion Realität. Das kann man jederzeit ratifizieren.

Angenommen, ich bin real. Eine Nashornherde steuert auf mich zu. Sie ist auch real. Die Nashornherde wird mich zertrampeln, denn beide sind wir real. Aber nehmen wir einmal an, ich und die Nashornherde sind nicht real, denn das Universum ist nur die Abgase eines riesigen Traktors, was man ja nicht ausschließen kann. Dann bin ich nicht real und die Nashornherde ist auch nicht real. Trotzdem wird mich die Nashornherde zertrampeln, den relativ zueinander sind wir sehr wohl real. Nicht nur relativ real, sondern absolut sind wir relativ zueinander real. Nehmen wir an, das Universum ist nur ein Gedanke eines Gottes. Dann bin ich nur ein Gedanke und die Nashornherde ist auch nur ein Gedanke. Trotzdem wir die Nashornherde mich zertrampeln, denn ein Gedanke ist relativ zu einem anderen Gedanke real. Absolut real.

Und wenn das Universum nur ein Bild auf einer Vase ist, die ein Elefant in seinem Rüssel hält, der wiederum nur ein Bild auf einer anderen Vase ist, die wiederum ein größerer Elefant in seinem Rüssel hält, auf dem ein Affe mit einer Trommel sitzt, es würde sich nichts ändern. Die Nashornherde wird mich zertrampeln Denn relativ zueinander sind wir beide absolut real. Ganz egal, was und ob überhaupt sich hinter dem Universum noch etwas verbirgt oder nicht und was immer das auch ist oder nicht, innerhalb des Universums ist relativ zueinander alles absolut real und damit auch ratifizierbar.

Solange die Naturwissenschaft nichts ratifiziert (ausgenommen die Gesamtheit, die kann man nicht ratifizieren) solange werden Religionen und Weltanschauungsgruppen die Welt regieren. Im Buch "Urknall, Weltall und das Leben" gibt es eh zurecht die Aussage: "Religion ist ein Reizthema, dem wir uns besser nicht stellen" (ungefähr wiedergegeben). Ja natürlich ist das ein Reizthema, wenn Religionen und Weltanschauungsgruppen ohne jegliche Beweise sogenannte Wahrheiten aussprechen können und man selbst nichts ratifizieren darf. Wie sollte man sich da nicht gereizt fühlen?

Solange man das System der Verifizierung und der Ratifizierung nicht hinterfragt, solange werden Weltanschauungsgruppen ohne Rücksicht auf unseren gemeinsamen Lebensraum mit der Fassade der "Globalisierung" auf Teufel komm heraus missionieren. Für diese "auserwählten" Gruppen liegt nämlich das Paradies nicht in unserem, vom Universum nahezu perfekt abgestimmten Lebensraum sondern irgendwo anders (wo, das weiß kein Mensch) Die Zerstörung unseres Lebensraumes nimmt man in Kauf, um sein wahnwitziges Ziel zu erreichen.

Das Leben verhält sich ausschließlich nach den Gesetzen der Natur. Wenn ich in der Früh aufstehe, stehe ich deswegen auf, weil die Natur es so vorgesehen hat, dass ich nicht 24 Stunden am Tag schlafe. Wenn ich frühstücke, dann deshalb, weil die Natur es vorgesehen hat, dass man ohne Nahrungsmittel nicht leben kann. Gehe ich zur Arbeit, dann deswegen, weil die Natur es vorgesehen hat, dass auch das Leben ihren Beitrag leisten muss (nicht nur das Leblose). Habe ich eine bestimmte Arbeit, dann deswegen, weil die Arbeitsteilung ein Naturgesetz ist (siehe Urwald: Jedes Tier macht genau das, für was es am besten geeignet ist) Wie auch immer, was alles ich auch Tag täglich mache, ich mache es aufgrund von Naturgesetzen. Politische und religiöse Gesetze sind bedeutungslos. Sie funktionieren immer nur vorübergehend und nur mit Hilfe von Staatsgewalt und religiösen Schuldgefühlen zwischen einer Revolution und der nächsten Revolution und nach jeder Revolution wird das System von neuem gestartet mit einer anderen Fassade aber dem gleichen Inhalt.

Die Gottesfrage gehört verifiziert und ratifiziert samt allen historisch gewachsenen Ritualen und Anschauungen, Ansichten und Handlungen. Wer ist überhaupt auf die Idee gekommen, dass die Naturwissenschaft nichts ratifizieren darf? Das würde mich echt interessieren. Wahrscheinlich wieder irgend jemand aus einer längst vergangenen Zeit. Warum beruft man sich ständig auf verstorbene? Die Gegenwart ist die Welt der Lebendigen und nicht der Toten. Ich halte die Serie über Naturphilosophie für sehr gelungen und in dieser Art und Weise auch einzigartig. Irgendwie erscheint mir deshalb die Naturphilosophie als geeigneter Ort, sich der Gottesfrage zu stellen. Dann geht das 21. Jahrhundert als das Jahrhundert der Wahrheit in die Geschichte ein. "Fürchtet euch nicht" ist wirklich ein gutes Schlusswort. Da steckt alles drinnen.
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Ohne etwas wäre nicht einmal nichts

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