Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA: Neu im Forum

Neu im Forum 10 Jul 2018 11:25 #36903

Hallo zusammen, ich bin seit vielen Jahren eher passiver Verfolger des Kanals. Die grafikgewaltigen Dokus sind nett, aber eher langweilig geworden. Was steckt dahinter? Wie hängt das zusammen? Hier findet man aktuelle Antworten. Nun juckt es doch, Aktivitäten zu entfalten. Als Jurist bin ich hinsichtlich Astronomie völlig fachfremd. Dennoch habe ich Parallelen zwischen Juristerei und der hier so wichtigen Mathematik festgestellt: Beides erscheint auf den ersten Blick als ein klares, definiertes, zwingend logisches Etwas. Mitnichten: fügt man hier eine andere argumentative Perspektive ein, dort einen Erweiterungsfaktor der Gleichung, so verhalten sich beide Gebiete irgendwie wie Gummi. Man denke an den Faktor, den Einstein haben wollte, um ein statisches Universum hinzubiegen. Mit Annahmen kann man Bruchstücke bis hin zu ganzen Weltbildern "kneten", die von der wissenschaftlichen und interessierten Gemeinschaft falsifiziert werden können. Auf ein winziges Bruchstück von 10 hoch minus n der Teilhabe an diesem Prozess freue ich mich. Wobei n unendlich hoffentlich nicht erreicht ;)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Verwandte Themen

Betreff des ThemasRelevanzDatum des letzten Beitrages
Forum4.65Sonntag, 28 Februar 2016
Neu in diesem Forum4.6Montag, 18 März 2019
Abschied vom Forum4.6Sonntag, 10 März 2019
Hallo Forum4.6Sonntag, 22 Oktober 2017
Umgang im Forum4.6Mittwoch, 03 April 2019
Hallo zusammen in Forum4.55Donnerstag, 30 August 2018
Wichtige Veränderungen im Forum4.55Freitag, 10 August 2018
Braucht man Mathematikkenntnisse für das Forum?4.55Dienstag, 31 Oktober 2017
Interview im ARD-Alpha-Forum am 19. Mai / 20:15 Uhr4.55Freitag, 20 Mai 2016
Nice to have -- math tags im Forum4.5Dienstag, 05 April 2016

Neu im Forum 10 Jul 2018 17:24 #36929

Willkommen, a-bussler!

Dennoch habe ich Parallelen zwischen Juristerei und der hier so wichtigen Mathematik festgestellt: Beides erscheint auf den ersten Blick als ein klares, definiertes, zwingend logisches Etwas. Mitnichten: fügt man hier eine andere argumentative Perspektive ein, dort einen Erweiterungsfaktor der Gleichung, so verhalten sich beide Gebiete irgendwie wie Gummi.

Mein Standpunkt dazu:
Die bürgerlichen Gesetze, formuliert von Juristen und beschlossen von Parlamenten, sind das kollektive Gewissen einer Gesellschaft bzw. das Instrumentarium von Lobbyisten und deren partikularer Interessen. Damit sind sie auch immer zeitbezogen und ändern sich je nach historischem Kontext. Das Studium der Geschichte der Menschheit wie auch des eigenen persönlichen Lebensweges zeigt auch sehr eindrucksvoll die Grenzen individueller und kollektiver Freiheit auf. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich (Twain), unser Blick auf sie zeigt uns unsere existenzielle Enge auf (Tucholsky) und Prognosen in die Zukunft - wohlgemerkt, gilt für das Individuum wie für das Kollektiv - werden genauer, je tiefer und auflösender wir in unsere Vergangenheit blicken (Churchill). Das ist erstmal eine ernüchternde Erkenntnis, aber die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Ingeborg Bachmann).
Gerade als Vertreter des Transhumanismus (vielleicht interessieren dich die Beiträge im Thread "Cyborg") weise ich darauf hin, dass moralisch-ethische Überzeugungen, fussend in klassischen humanistischen Vorstellungen, angesichts der anstehenden dramatischen Veränderungen durch Genetik, Bio- und Neuroenhancement bzw die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz (Ethiknormen für künftige "Roboter" mit Bewusstsein, die als Entitäten wahrgenommen werden müssen) in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wohl völlig neu definiert werden müssen.
In gewisser Weise ist es da im Reich der Naturwissenschaft einfacher. Eine Theorie wird formuliert und dann in das kalte Wasser der Realität geworfen, die unveränderlich ist. Um dein Beispiel der Kosmologischen Konstante Einsteins aufzugreifen: Sie wurde von ihm eingeführt, um das statische Universum zu retten, dann wieder verworfen, weil Hubble die Expansion des Alls konstatierte und schließlich wieder ausgegraben, weil man ab 1998 die beschleunigte Expansions des Universums feststellte. Die Realität der Natur veränderte sich nicht (im Gegensatz zur gesellschaftlichen Realität, die durch gesellschaftliche Prozesse im Rahmen der Menschheitsgeschichte stets neu definiert wird), nur unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen wurden immer genauer, womit eine Anpassung in der Beschreibung mittels Naturgesetze erforderlich wurde.
Newtons klassische Mechanik beschreibt einst wie heute die meisten Vorgänge um uns treffend, aber wir haben festgestellt, dass sie dennoch nur ein Grenzfall der allgemeineren Theorien Einsteins ist. Wieder hat sich selbstredend keineswegs die Natur in den Jahren zwischen Newton und Einstein verändert, aber unser Blick auf und in sie hat sich merklich geschärft.
Welche Erkenntnisse warten noch auf uns bzw. unsere "Nachfahren", die Transhumanisten und Cyborgs bzw auf eine postbiologische Sekundärzivilisation jenseits des menschlichen Horizonts?
Zitat Martin Rees, ein renommierter Astrophysiker von Weltruf, der auch in großen kosmischen Dimensionen denkt:
"Organische Intelligenz ist nur ein kurzes (kosmisches) Zwischenspiel, bevor die "Maschinen" (postbiologische Entitäten) übernehmen."

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)

Neu im Forum 11 Jul 2018 12:07 #36950

Dem kann ich nur zustimmen, Cyborg hat völlig Recht. Wie befinden uns in der (glücklichen) Anfangszeit, wo sich nach vielen Jahrhunderten des Denkens und unter großen Opfern großer Denker ein wissenschaftliches Gesamtbild zusammensetzt, das sich eher immer schärfer abzeichnet, als völlig neu erdacht werden muss. Das Risiko, wirklich grundlegend auf dem wissenschaftlichen Holzweg zu sein, sinkt eher. "Wir stehen auf den Schultern von Riesen", sollte eine treffende Abwandlung des berühmten Zitats sein. In der Geisteswissenschaft ist das nicht so "einfach", auch hier ist Cyborg zuzustimmen: die geltenden Regeln sind zeitbezogen.

Ich behaupte jedoch: befreit man die Regeln, die zu einem Zusammenleben nötig sind, von Gier, Machthunger, Wut, Rache, Unersättlichkeit und anderen unguten Gefühlen, bleibt eine Art Essenz des Zusammenlebens übrig. Die ist interessanterweise letztlich immer gleich und entspringt einem sicherlich (wenngleich erst einmal einfach unterstellten) sehr ursprünglichen Bedürfnis des Menschen: es bleibt das Ziel übrig, in Frieden, Freiheit und Würde leben zu dürfen und miteinander in einer Gesellschaft auszukommen. Egal ob in einer kleinen Familiengemeinschaft eines indianischen Langhauses, oder einer Stadt mit 20 Mio. Einwohnern. Das geht ja schon in der eigenen Familie los. Ob man das in 10 Gebote, elterliche Erziehungsregeln oder ein Grundgesetz bzw. BGB einkleidet, ist völlig egal. Am Ende stehen solche Werte / Ziele da, die dem Kontext der tatsächlichen politischen Lage Angriffen mit dahinter stehenden Interessen ausgesetzt ist. Ein Stamm, der zu Zeiten Dschingis Kahns in der mongolischen Steppe wunschlos glücklich vor sich hinlebt, muss zwecks Überlebens halt "Schutzgelder" bezahlen, wenn sich ein machthungriger und waffenmächtigerer Nachbar überlegt, einen unterwerfen zu müssen und entsprechende Regeln, sprich neue Gesetze aufstellt - und durchsetzt. Das behauptete Grundbedürfnis von Frieden, Freiheit und Würde auf der einen Seite, die konkreten Regeln (=Gesetze, egal ob geschrieben oder ungeschrieben) auf der anderen Seite dürften wie in der Thermodynamik einer naturgegebenen Tendenz des Ausgleichs unterliegen. Wird der nicht geschaffen, "krachts" wie bei der Plattentektonik halt irgendwann - das zugehörige Erdbeben nennen wir in der heutigen Zeit "Revolution" oder "Frühling", wenn man z.B. einige Jahrzehnte zurück nach Prag oder einige Jahre zurück in den nahen Osten schaut. Oder "nein, ich räume mein Zimmer nicht auf", wenn man an die Familie denkt. Statt eines großen Bebens kann man aber auch lieber viele kleine Erdbeben produzieren, indem die richtungsgebenden Gruppen alle paar Jahre um die Wiederwahl kämpfen müssen - nennen wir Demokratie. Das von mir beschriebene "Gummi" zeigt sich nun in der Frage, wie man genau Frieden, Freiheit und Würde definiert. Versteht man unter dem Friedensbegriff die gewaltsame Unterdrückung von Aufständen innerhalb der eigenen Grenzen (z.B. römisches Reich), so kann man trefflich darüber streiten, ob das wirklich Frieden ist, in dem man als Germane da vor sich hinlebt. Der römische Feldherr fühlt sich mitten im Frieden, die als Erpressungspfand und Sklavin verschleppte Tochter des unterworfenen Germanenhäuptlings im friedlichen Privathaus des Feldherren vermutlich nicht ... oder doch, wenn die sich verlieben und es von nun an "ehrlich" meinen und die Tochter eine neue, friedliche Heimat erlebt? Solche Grundwerte sind also auch höchst individuell und situationsabhängig.

Diese Definitionen unterliegen folglich einer offenen Entwicklung. Anders als im astronomischen / kosmologischen Bild (das sich nach derzeitigem Stand eher vervollständigt, als offen fortentwickelt) sind die selbst gegebenen Normen Teil eines dynamischen Puzzles. Insofern verändert man mit der Definitionsänderung der Ziele von Frieden, Freiheit und Würde sozusagen die "Grundjustierung" des Zeitgeistes. Aber das kennen wir doch: hatte sich da nicht eine Firma mit der Grundjustierung vom Laser beim Herstellen des Hubblespiegels verhauen und so einen absolut perfekten Spiegel geschaffen ... halt nur mit einem perfekt fortgesetzten Fehler der Grundjustierung? Na dann muss man halt wieder hochfliegen und dem Teil eine Brille aufsetzen (an dieser Stelle einmal höchste Anerkennung und Respekt an die Astronauten, für "nur" ein technisches Gerät das Leben auf Spiel zu setzen). Genau so funktionieren unsere "bürgerlichen Gesetze" auch: man versucht, die Grundjustierung nach individuellem Willen (z.B. in einer Diktatur oder in einer Struktur mit einem König) oder kollektivem Willen sauber aufzusetzen. Die Umsetzung ist dann aber Sache dynamischer und chaotischer Prozesse. Da kann man nur hoffen, dass die Justierung stimmt.

Aber auch Du solltest sicher zugestehen, dass wir (zumindest hier) auf hohem Niveau jammern: im Schnitt leben wir im Frieden, unsere französischen Freunde sind schon lange keine "Erbfeinde" mehr, wir verhungern nicht, nur weil mal 1-2 Jahre schlechtes Wetter herrscht oder der Bürgermeister der Nachbarstadt plötzlich meint, unsere landwirtschaftlichen Vorräte für sich klauen zu müssen, wir dürfen uns über unsere Bundeskanzlerin positiv oder negativ äußern, ohne dass wir damit rechnen müssen, gleich in Folterkellern der Regierung oder der Opposition zu landen. Diese Errungenschaften sind Zwischenergebnis einer langen Historie und als eher labil als stabil anzusehen. Ein Umschwung kommt schneller als gedacht, wenn man an 1933 denkt.

Und sicherlich wird sich das weiter entwickeln: man muss nur die Definition einführen, dass unter einem würdigen Leben verstanden wird, dass man einen Computerchip im Hirn hat, der mit dem Internet verbunden ist. Damit bleibt die Ausgangsbehauptung: sowohl die Naturwissenschaft wie auch die Geisteswissenschaft entwickeln zur Formulierung ihrer Weltbilder klare Regeln, die aber durch Annahmen "modelliert" werden können. Unbestreitbarer Vorteil der Naturwissenschaft ist der Zugang zur experimentellen Überprüfung. Doch einmal den Fall gesetzt: die Naturwissenschaft sei an einer Art Endpunkt des Wissens angelangt, an dem Strings verworfen wurden und durch eine "allgemeine Urfeld-Wellentheorie" ersetzt wurde. Die Gravitation wurde bis hin zu Antigravitation verstanden und es gibt alle Dinge, von denen die Star-Trek-Gemeinde heute noch nicht einmal träumen kann. Dann braucht es Frieden, um gesammeltes Wissen nicht in den Wirren eines Konflikts untergehen zu lassen (ärgerlicher Gruß an diejenigen, welche die Bibliothek von Alexandria abgefackelt haben, sollte das seinerzeit Brandstiftung gewesen sein). Dann braucht es Freiheit, um die Zeit für einen Sonntagsausflug zum Trappist - System nutzen zu können. Dann braucht es gelebte Würde, um sich in so einem Umfeld wohl zu fühlen. Was auch immer man irgendwann einmal darunter versteht.

Letztlich führt die von mir hergestellte Verbindung von Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft aber zu der Erkenntnis: es gibt keinen Unterschied zwischen einem Blatt und einer Ameise und uns. Da (zum, Glück) "unsere wahre Oma in einer Supernova gestorben ist" (Zitat meiner 7-jährigen Tochter), bestehen wir alle aus den gleichen Atomen mit der gleichen Herkunft. Wir alle ziehen unsere Energie aus der Strahlungsenergie der Sonne, die aber auch nur eine Energieumwandlung ist (glauben wir zumindest derzeit). Der äußerliche Unterschied zwischen uns und einem Diamanten oder einer Ameise ist sozusagen nur eine Fluktuation der Atomanordnung zu unterschiedlichen Gitterstrukturen oder Molekülen unter Energieeinsatz. Der Unterschied entsteht erst, wenn unter dem Einfluss der Naturgesetze aus dem sich selbst reproduzierenden, selbst organisierenden, energiebedürftigen Ungleichsgewichtssystem (=Leben) in unserem Fall ein Mensch entsteht, der die Fähigkeit zur Herausbildung einer Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft entwickelt. In der Disziplin der selbst gesetzten Regeln des Zusammenlebens (Juristerei) sehe ich eigentlich eine geisteswissenschaftliche Version der Idee der Entropie: man versucht, auf Vergangenheitserfahrungen beruhende Regeln aufzustellen, um die naturgemäß unabsehbare und folglich immer chaotischere Zukunft planbar zu machen und folglich eine geordnete und in der Folge kontrollierbare Gegenwart zu bringen. Wie bei Quantenfluktuationen wird die Summe der zufälligen Gegenwartsereignisse zu einer Vergangenheit, welche die Grundlage für eine neue Zukunftsprognose ist - die naturgemäß anders aussieht, als die vorangegangene Zukunftsprognose. Wer diese Prognose anstellt (Lobbyisten oder "die Guten" oder "die Bösen") ist egal. Letztlich werden auch die Themen Genetik, KI etc. irgendwann in der Zukunft zu Gegenwartsereignissen werden, die als künftige Vergangenheit die Grundlage für neue Regeln werden. Wenn sich diese aber als schlecht herausstellen, so zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, dass "es irgendwann kracht" und die Regeln verändert werden .... bis neue kommen. Das Prinzip einer solchen Veränderung wegen systemimmanenter neuer Erkenntnisse kennen wir aber: eine herrschende Theorie ist nur eine dauerhaft vorläufige Erklärung der Beobachtung - bis sie ganz oder teilweise durch eine entgegenstehende Beobachtung falsifiziert wird - oder sich auf rein theoretischer Basis in derzeitiger Ermangelung von bestätigenden oder falsifizierenden Beobachtungen eine bessere Erklärung als "herrschende Meinung" durchsetzt. Das ist sozusagen das unter blutigen Verlusten großer Denker errungene "Grundgesetz der Wissenschaft", wie wir es heute leben dürfen, ohne von z.B. religiösen Vorstellungen kanalisiert zu werden. Was im Gesetz die persönliche Freiheit ist, ist in der Wissenschaft die unbeschränkte Freiheit der Theoriebildung. Jede Meinung, jede Theorie, aber auch jedes Gesetz ist wissenschaftlich gesehen anerkennenswert. Sei die Theorie noch so abwegig oder ein Gesetz als negativ empfunden. Einstein war derartig weit voraus, dass sich die Stockholmer nicht getraut haben, für seine zentralen Arbeiten den Nobelpreis zu vergeben. 100 Jahre später wissen wir aus unzähligen, gescheiterten wissenschaftlichen Angriffen: der Mann kann nicht so falsch gelegen haben. Gravitationswellen zu messen - Einstein wäre stolz auf die heutigen Leistungen unserer Wissenschaftler. Manche hielten das BGB zum Inkrafttreten 1900 für einen enormen Rückschritt der Zivilisation. 100 Jahre später können wir aus dem Bestand der grundlegenden Strukturen schließen, dass die Regeln des Zusammenlebens so viel Rechtsfrieden stiften, dass das nicht so verkehrt sein kann. Wenn man schon einen Anspruch (hat meine Vase umgeworfen, will dass der das ersetzt) hat ... dass man den Anspruch überhaupt verjähren lässt und der nicht über Generationen als Familienfehde weitergegeben wird, hat seinen Sinn. Auch wenn man es früher fair fand, dass man noch 30 Jahre lang Zeit hat, einen Anspruch geltend zu machen und man mit dem heutigen Zeitgeist regelmäßig bei 3 Jahren angelangt ist.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Neu im Forum 11 Jul 2018 13:24 #36954

Hallo a-bussler,
auch von mir ein Willkommen.
Na, da sind ja gleich zwei wortgewaltige Foristen aufeinander aufmerksam geworden. Vorab bin ich schon einmal gespannt, wie sich möglicherweise Eure Dialoge entwickeln werden. Für mich seid ihr aber doch recht weit auseinander in Eurer Teleologie. Ich lese deine Position so, dass du gewissermaßen an die Resilienz der Menschheit glaubst. Genau diese Resilienz sieht nach meinem Verständnis aber Cyborg ausgedient, bzw. sogar als den Weg des Untergangs der Menschheit und deren notwendige Folge postbiotische Formen.
Da wird aber Cyborg nicht mein Mandat brauchen um das darzustellen. Cyborg hat ein wenig Werbung für seinen Thread gemacht. Dem würde ich gerne folgen. Ich glaube zu erkennen, dass du nach der Suche auf die Klammer unseres Denkens, unseres Wesens, unseres Seins zu sein. Da gibt es hier im Forum ein paar rudimentäre Ansätze, die vielleicht ein wenig Input brauchen könnten.


Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.


Neu im Forum 11 Jul 2018 18:24 #36981

a-bussler schrieb:

Ich behaupte jedoch: befreit man die Regeln, die zu einem Zusammenleben nötig sind, von Gier, Machthunger, Wut, Rache, Unersättlichkeit und anderen unguten Gefühlen, bleibt eine Art Essenz des Zusammenlebens übrig. Die ist interessanterweise letztlich immer gleich und entspringt einem sicherlich (wenngleich erst einmal einfach unterstellten) sehr ursprünglichen Bedürfnis des Menschen: es bleibt das Ziel übrig, in Frieden, Freiheit und Würde leben zu dürfen und miteinander in einer Gesellschaft auszukommen

Dagegen ist einzuwenden, dass eben genau diese "unguten", also negativen Gefühle eben auch menschliches Dasein ausmachen, zumal, wenn wir das Ganze aus makrosozialer Sicht sehen und ganze Kollektive, ja im Zeitalter der Globalisierung sogar die ganze Menschheit betrachten müssen. Wie soll also die Menschheit davon ablassen können? Das gleicht doch fast schon dem berühmten "Wasch mir den Pelz,aber mach mich nicht nass"
Steckt nicht dahinter auch die latente Hoffnung, dass die Menschheit und damit die Welt mit zunehmendem kulturellen, technischen Fortschritt und steigender Bildung der Massen von selber eine bessere wird? Das zeigt sich dann auch oft in Aussagen wie: "Wenn mal tatsächlich weit entwickelte Außerirdische hier bei uns auftauchen, dann sind die sicher uns nicht nur technisch weit überlegen, sondern auch sicher recht friedlich und uns wohlgesonnen."
Wer sagt, dass es da zwangsläufig eine solche Korrelation gibt?
Freilich, als Befürworter des Transhumanismus muss ich mich da auch selber an die Nase fassen, denn auch dieser Weg, so er denn konsequent eingeschlagen werden wird, kann in eine Sachgasse führen, kann Katastrophen zeitigen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Wer weiß, wie eine harte KI, also eine postbiologische Superintelligenz mit uns verfahren wird?

Ich weiß, die Vorstellung, dass im Grunde doch fast alle Menschen einfach nur Frieden, Freiheit und Wohlstand wollen, ist naheliegend und im Grunde schon richtig. Aber so einfach ist die Sache leider nicht. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass genau diese Grundstrebungen mit auch dazu führen, dass wir mittlerweile auf die 10 Milliarden Bevölkerungsgrenze zusteuern und hoffnungslos den Planeten übernutzen und ausbeuten, scheinen mir diese an und für sich ehrenwerten Bestrebungen doch auch von einer dunklen Seite des Menschen überlagert zu werden, nämlich seiner Sehnsucht nach existenziellen Erfahrungen, die sich je nach geschichtlichem Kontext auf der kollektiven Ebene zu allen Zeiten zwar nicht nur, aber schon auch im Kriege manifestierte. Wir machen es uns zu leicht, wenn wir immer nur davon ausgehen, dass eben der kleine Mann zu allen Zeiten nur von den Mächtigen für den Krieg missbraucht wurde.
Der renommierte Militärhostoriker Martin van Crefeld hält den Krieg für eine anthropologische Konstante, die auch künftig ihre Gültigkeit behalten wird. Wer das Buch des Vietnamveteranen und Drehbuchautoren (z.B. Apollo13) William Broyles gelesen hat, der beginnt zu ahnen, warum das so ist.
Dazu habe ich etwas ausführlicher auch im "Cyborg" Thread geschrieben #34218:

www.urknall-weltall-leben.de/urknall-wel...tml?start=1080#34218

Was bleibt also für eine Alternative? Torsten Nahm, ein dt. Transhumanist, meint: Der Ausbruch aus dem faustischen Gefängnis.
torstennahm.de/text/das-faustische-gefaengnis.html
Die Risiken werden alles andere als klein sein, aber das Ziel lohnend, wenn die heutige Menschheit endlich den stetigen Zyklus von Krieg-Frieden-Krieg überwinden und nicht ständig in Malthusianische Katastrophen schlittern will.
Und der Spruch (ich zitiere in etwa sinngemäß) des österr. Kabarettisten und Schauspielers Josef Hader sollte uns in Bezug auf die Natur des Menschen schon auch zu denken geben: "Das Leben ist ein Schei... Es geht von einer Katastrophe zur nächsten und dazwischen ist's fade."

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Das größte Glück und den tiefsten Sinn erfahren wir, wenn unser Sehnen, Suchen und Finden in einem einzigen Augenblick zeitgleich präsent sind. Der nächste Augenblick ist dann nur noch schnödes Haben. (Cyborg, am Innufer, 14. April 2018)

Neu im Forum 12 Jul 2018 10:28 #37015

Die Frage, was "Besser" ist, ist ihrerseits Definitionssache und so individuell, wie es jeder Mensch ist. Das gilt ja auch für die Frage, was Frieden, Freiheit, Würde bedeuten sollen. Folglich ist es gleichgültig, in welche Richtung sich alles entwickelt. Um die genannten Außerirdischen aufzugreifen und ins Star-Trek - Universum zu versetzen: ein BORG findet das Kollektiv per Definition toll. Macht eine Assimilation die Welt "besser"? Die BORG finden: jepp. Die Assimilierten: nö. Naja, könnte man auch auf echte Menschen beziehen, Stichwort Sendungsbewusstsein deutscher Kolonialbestrebungen. Oder Nordamerika zu Zeiten der Verdrängung der Indianer. Oder die Südamerika zu Zeiten der Spanier mit den Inkas oder oder oder ...

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Neu im Forum 15 Jul 2018 21:05 #37458

Willkommen, a-bussler,

Deinem Vergleich zwischen Juristerei und Mathematik stimme ich nicht zu. Einstein hat ja nicht "einfach so" dieses Lambda eingeführt, es ist eine Integrationskonstante, die er zu Anfang eben einfach Null gesetzt hat, vielleicht in Ermangelung besserer Kenntnisse der Randbedingungen, immerhin war seine Gleichung und mithin seine Physik ja neu, auch für ihn. Und ob das alles so stimmt, wußte er ja auch nicht -- bis heute werden Experimente gemacht, die die Richtigkeit immer genauer nachweisen.

Juristische Gesetze werden von Menschen gemacht, sind so definiert und morgen könnte man sie gegenteilig definieren -- fertig. Heute muß ich bei Rot halten, kann man ändern, dann muß ich morgen bei Grün halten. Naturgesetze dagegen müssen mühsam erkannt werden, das in der Regel mit viel geistiger Arbeit verbunden ist (die vermisse ich oft bei den sinnfreien Regelungen im Abfallrecht z.B.) und vor allem sind sie weder verhandelbar noch kann man gegen sie verstoßen. Man kann sie mißachten oder nicht bedenken (und bekommt umgehend die Quittung dafür) aber nicht aufheben oder gegen sie verstoßen.

Juristen (oder meist Lobbyisten) erstellen Gesetze und dann sind sie da. Gut, es gibt dann Nachträge, um sie zu ändern oder anzupassen, aber erst mal sind sie fertig und dann da, quasi ex nihilo. Naturgesetze sind schon da, wir kennen sie bloß nicht. Also beginnt eine Suche und ein Erkenntnisprozess, der meist zunächst in der Erstellung eines Modells besteht, daß dann immer mehr Einflüsse betrachtet und berücksichtigt und mithin verfeinert wird. Das gilt dann bis zur nächsten Revolution (Paradigmenwechsel nach T.S. Kuhn) : Newton => Einstein, Mach => Planck, Schrödinger u.a.

Also, m. E. gibt es da schon erhebliche Unterschiede :-)

Andreas

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1
AUF Zug
Powered by Kunena Forum